Pariser Salon - Begleittext

Zum Programm:

Pariser Salon

Salonmusik der Pariser Belle epoque

Pariser Salon"Jede Woche verwenden die Vornehmen etliche Stunden auf das Abstatten von Besuchen. In Ihren Equipagen fahren sie kreuz und quer durch ganz Paris und bis hinaus in die Vorstädte. Es ist der Tag, an dem die Marschallin, die Frau Gerichtspräsident und die Frau Herzogin zu empfangen geruhen, also hat man zu erscheinen, sich in den Salons zu zeigen. Wenn es Abend wird, verlangt man nach Lichtern. 'Man bringe jetzt die Leuchten!'. In tatenloser Langeweile bekommt man den neuesten Klatsch aufgetischt, mustert Roben und Gewänder, wechselt Komplimente und lauscht den Klängen der Musik".

Der Salon, das Empfangs- und Gesellschaftszimmer, der Geschäftsraum, auch der Modesalon, der Frisiersalon, der Salon als eine Art Kunstausstellung, und im 17. bis 19. Jahrhundert der Mittelpunkt "geistreicher" Geselligkeit, öffnet seine mal künstlerisch einflussreichen, mal politisch bedeutungsvollen Pforten.

"Was sagen Sie zu den "vertrauten" Briefen aus Paris, verfasst vom deutschen Komponisten Reichardt? - Zu George Sand kann man auch nicht mehr gehen, mit Chopin soll sie ja... und Liszt... und Wagner ist sowieso seit seinem Tannhäuser- Skandal kein Thema mehr; oder doch gerade!" Das ist eben Pariser Leben, "La vie Parisienne", auch das von Jaques Offenbach.

Die Opéra comique sah seit ihrer Gründung über 100 Balletturaufführungen, aber was ist das gegen den Glanz des Palais Garnier? Zu Recht nennt man dieses Bauwerk heute Opéra de Paris, die traditionsreichste Ballettbühne der Welt: 1832 La Sylphide, 1870 Coppelia, 1876 Sylvia - Léo divin, göttlich, dieser Delibes-, und die von Dégas so trefflich gemalten Mädchen im Trikot und TuTu tanzen eine Balletteinlage in einer weiteren Oper nach Goethe'schem Vorwurf: Charles Gounod' s Faust, denn für Paris heißt es: eine Oper ohne Ballett ist keine Oper!

Louis Ganne, Ballettmusik schreibender Freund von César Frank schreibt nicht nur eine "extatische Träumerei", für den Moment, wenn im Salon "die Leuchten angezündet werden",- sondern für fortgeschrittenen Stunden, nach Champagner und Cognac, den "Marche Lorraine", erstaufgeführt zum 18. französischen Sportfest von 1892.

(Auszug aus Begleitheft zur CD "Pariser Salon", Text von Dirk Schortemeier)