Schön war die Zeit - Begleittext

Zum Programm:

Schön war die Zeit,...

...als Richard Tauber noch bei "Halt" über die Kreuzung chauffierte. Als Josephine 1928 ChanelBaker nur mit einer Banane bekleidet in Berlin auftrat. Als Marlene noch in Berliner Kaschemmen tingelte. Als Georges Boulanger für Rasputin geigte. Als der Swing noch keine Nostalgie war. Als Lilian Harvey und Willy Fritsch zum Traumpaar des deutschen Films wurden.... Die 20er Jahre. Das gab' s nur einmal...., und kam auch so schnell nicht wieder.

Teil 1

In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, das deutsche Kaiserreich war zerbrochen, begann ca. Anfang der zwanziger Jahre ein neuer Boom in der Unterhaltungsmusik. Berlin entwickelte sich rasch zur größten Musikmetropole Europas. Waren es vor dem Krieg noch vorwiegend die Militärkapellen und die klassischen Caféhausorchester, die mit leichter Klassik, flotten Märschen und Opern- und aktuellen Operettenschlagern in den sogenannten Concertcafé's für Unterhaltung sorgten, so kam in der Nachkriegszeit (1. Weltkrieg) aus Amerika verstärkt der Einfluss des Jazz aus Amerika nach Europa.

Kabaretttheater und große Ausstattungsrevuen (vergleichbar mit den Lanvinheutigen Musical-Theatern) schossen wie Pilze aus dem Boden. Viele Operetten, die z.T. heute längst wieder in Vergessenheit geraten sind, wurden in großer Zahl produziert. Jedoch viele Titel dieser Werke sind heute noch als eigenständige Evergreens bekannt. Einer der bekanntesten Komponisten dieser Zeit war Robert Stolz, letzter großer Vertreter der Wiener Operette, der sich in den 20ger Jahren vom klassischen Operettenkomponisten über Chansons und Lieder zum erfolgreichen Filmkomponisten entwickelte. Das Potpourri, welches Sie heute hören, beinhaltet Stücke der Schaffensperiode von ca. 1915 - 1930.

Die (auch schon vor dem Krieg bekannten) Modetänze wie Foxtrott und Tango wurden weiterentwickelt zu den Modetänzen der zwanziger Jahre wie Charleston, Black bottom, Shimmy usw. Ganz groß in Mode war in den zwanziger Jahren der sog. Orientalismus. Je exotischer, desto besser. Stücke wie "Salome" (Stolz), der orientalische Foxtrott "Fate" und andere zeugen davon.

(Quelle: Andreas Koch)

Teil 2

Als die Bilder laufen lernten, als die stummen Mimen Stimmen bekamen, da stellten die Produzenten und die Regisseure fest, dass dem neuen Geschöpf "Tonfilm" trotz der Dialoge wie im richtigen Leben, trotz der echt natürlichen Geräusche etwas fehlte - die Seele des Gesanges. Und daher ließen sie umgehend das Lied zum Film erfinden, das einstimmende, das stimmige, das Stimmung machende Lied.Drecoll

Es wäre nun abwegig zu unterstellen, dass sie sich ihrer kulturellen Tat bewusst waren, wo ihnen doch allein schon der kommerzielle Erfolg mehr als Recht gab. Und dennoch - oder gerade weil er sich im freien Wettbewerb entfalten konnte - wurde der Filmschlager ein Stück Kulturgeschichte. Entstanden für eine bestimmte Situation, einem Star unverwechselbar auf Stimmbänder und Leib geschneidert, begannen die erfolgreichsten dieser Lieder doch sehr bald ein Eigenleben zu führen, weil sie nicht nur dem Film, sondern auch der Zeit - der guten und der schlechten - ihren Stempel aufdrückten. Darum sind sie bis heute faszinierende Belege einer Vergangenheit geblieben, die - das haben Evergreens so an sich - durch sie immer wieder gegenwärtig wird.

(Quelle: Maurus Pacher: Seh'n Sie, das war Berlin - Weltstadt nach Noten, Ullstein, Frankfurt- Berlin